Geschichte in Huchenfeld

Nagelkreuz

Huchenfeld bekam im Jahr 1992 ein Nagelkreuz verliehen. Anlass für die Aufnahme in den Kreis der Nagelkreuzgemeinden in Deutschland war die Initiative einer kleinen Gruppe von Menschen in Huchenfeld, die sich für die Versöhnung mit den Angehörigen von 5 kriegsgefangenen britischen Luftwaffenangehörigen einsetzten, die im März 1945 in Huchenfeld und Dillweißenstein ermordet wurden.

 

Zum Hintergrund:

Drei Wochen nach dem Angriff auf Pforzheim, am 16. März 1945, griffen die Alliierten in zwei großen Angriffswellen Raffinerien in der Gegend um Leipzig und die Stadt Würzburg an. Die fünf Ermordeten gehörten zur Besatzung einer Boeing Stratofortress, die als Radarstörmaschine beim Angriff auf die Industrieanlagen bei Leipzig eingesetzt war. Beim Rückflug wurde diese Maschine im Raum Schwäbisch-Hall von FLAK in Brand geschossen. Die Gefahr bestand, dass der restliche Treibstoff explodierte, der Flug wurde durch die brennenden Motoren immer unruhiger. Schließlich wurde der Besatzung der Absprung befohlen, im Glauben, man sei über Frankreich in befreitem Gebiet. Doch die abgesprungenen Luftwaffenoffiziere gerieten bei Bühl in Gefangenschaft. Am nächsten Tag wurden Sie nach Pforzheim gebracht und durch die Stadt geführt, um ihnen vorzuführen, was ihre Kameraden angerichtet hätten.

Davon bekam der Gauleiter der NSDAP Wind und beorderte SA und HJ in Zivil nach Huchenfeld, wohin die Gefangenen inzwischen gebracht wurden, da sich hier ein örtliches Gefängnis der deutschen Luftwaffe befand, von wo aus regelmäßig Gefangene in Kriegsgefangenenlager weitergebracht worden waren.

Mit Waffengewalt wurde die Herausgabe der Kriegsgefangenen erzwungen, sie wurden zum Friedhof eskortiert. Unterwegs gelang drei der sieben Gefangenen die Flucht, die restlichen vier wurden auf dem Friedhof erschossen. Ein weiterer der Geflohenen, der am nächsten Morgen in Dillweißenstein aufgegriffen wurde, ebenfalls auf Initiative des Gauleiters erschlagen.

 

Seit dieser Mord durch einen Zeitungsbericht im Sommer 1989 neu ins Bewusstsein kam, setzte sich eine kleine Gruppe von Huchenfelder Bürgern und Gemeindeglieder der Evangelischen Gemeinde für die Errichtung einer Gedenktafel ein. Im November 1992 wurde sie an der Außenwand der Evangelischen Kirche enthüllt. Im Zusammenhang mit dieser Enthüllung kamen erste Kontakte mit den Angehörigen der Ermordeten zustande. Daraus entstand ein Versöhnungsprozess, der bis heute andauert und immer neue Früchte bringt.

Mit der Wohngemeinde des Piloten und Mannschaftskapitäns der Ermordeten besteht ein langjähriger Schüleraustausch und seit 2008 ein Freundschaftsabkommen auf Ortsebene.

 

Ausführlicher können Sie darüber nachlesen auf der Website der Evang. Gemeinde Huchenfeld unter www.nagelkreuz.huchenfeld-evangelisch.de